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August Wiehe
August Friedrich Heinrich Johannes Wiehe ( * 18.03.1846 in Stift Quernheim; + 21.11.1937 Barkhausen 1)2)3)4)) war ein Kaufmann.
Leben
Eintrag in gen.barkhausenporta.de
Verheiratet ca, 1870 5) mit Marie Anna Elisabeth Koch ( * 04.12.1849 6); + 14.11.1914 in Barkhausen7) 8) )
Einem alten treuen Freund August Wiehe 90 Jahre alt
Barkhausen. Das 90. Lebensjahr vollendet heute der Rentner August Wiehe. Der alte Herr, dem wir dieser Tage einen Besuch machten, lebt mit seiner Schwester zusammen, die noch einige Jahre älter ist und am 28. Mai das 94. Lebensjahr vollendet. Man mag es nicht recht glauben, aber man sieht den beiden Alten ihre zusammen 184 Jahre nicht an. Es scheint fast, als seien die letzten Jahrzehnte spurlos an ihnen vorübergegangen. Frische und Rüstigkeit des Geistes und Körpers machen sie noch äußerst beweglich und empfänglich für die Geschehnisse der Umwelt. Sucht sich der alte Herr bei gutem Wetter auf Spaziergängen - die er in den letzten Jahren noch bis auf den Berg ausdehnte - die Beine zu vertreten, so schafft seine Schwester täglich im Haushalt und hält das Hauswesen in Ordnung.
Schwerhörigkeit (das einzige Leiden, das sich bei den Alten im Laufe der Zeit eingestellt hat) macht die Unterhaltung nicht ganz einfach. Aber einmal ins Plaudern geraten, erzählt Herr Wiehe mit überraschender Gedächtnisstärke aus seinem langen Leben und den Erinnerungen, die er in den fünf Jahrzehnten, seit er in der Porta ansässig ist, gesammelt hat.
Aus Stift Quernheim gebürtig, wo sein Vater als Kantor wirkte, widmete er sich dem Kaufmannsberuf und kam schon verhältnismäßig früh zur Selbstständigkeit. Es wird noch manchen geben, der sich der früheren Zigarrenfabrik Wiehe und Co. erinnert. Der alte Herr ist stolz darauf, wie fleißig damals gearbeitet wurde, wie es voranging. Allerdings mußte man sich „auch mal was gefallen lassen“, aber Fleiß und Sparsamkeit führten doch zu einem soliden Wohlstand, so daß er sich eines Tages von den Geschäften zurückziehen konnte. Damals lebte seine Gattin noch, die ihm 44 Jahre lang eine treue Lebensgefährtin war. Seit bald 22 Jahren deckt sie schon der grüne Rasen.
In den fast fünf Jahrzehnten, die Herr Wiehe in der Porta ansässig ist, entwickelte er dort einen äußerst rührige Tätigkeit. Mit großer Genugtuung verzeichnet er insbesondere die Erfolge seiner Arbeit um die Gründung der Kirchengemeinde Barkhausen und den Bau der Kirche. Noch vor vierzig Jahren mußten die Barkhauser mit Hochzeiten, Kindtaufen usw. nach Minden. Innerhalb von weniger Jahre wurde das Kirchbauprojekt soweit gefördert, daß im November 1899 die Einweihung einer neuen Kirche - „Kaiser-Gedächtnis-Kirche“ sollte sie heißen - erfolgen konnte. Manche Kollektenreise bis nach Hamm und Hagen neben denen in der näheren Umgebung hatte man dafür auf sich nehmen müssen. Und als die Kirche stand, folgte bald auch das Pfarrhaus, allerdings unter erheblicher Mithilfe des ersten Pfarrers der Gemeinde.
Der Kirche hat Herr Wiehe auch in späteren Jahren noch seine Kräfte gewidmet, als Presbyter, Kirchmeister und Rendant. Auch sonst in der Gemeinde Barkhausen war er hilfreich tätig und hatte stets eine offene Hand. Es war ihm, dessen Ehe Kinder versagt blieben, eine Freude, helfen zu können, wo Hilfe not tat. Dadurch erwarb es sich in allen Kreisen der Gemeinde große Wertschätzung, für die ihm im hohen Alter schon manche Dankesbezeugungen geworden sind.
Als wir davon sprachen, daß er es bei seiner Rüstigkeit wohl noch bis zum vollen Jahrhundert bringen könnte, meinte Herr Wiehe bescheiden, das stehe in Gottes Hand, es könne schnell kommen mit dem Ende, so wie auch seinen Vater der Tod plötzlich überraschte, gerade bei der Leichenfeier für einen Angehörige seiner Gemeinde. „Man muß zufrieden sein mit dem, was ist, und das übrige dem Herrgott überlassen“. Dann vertieft sich Herr Wiehe wieder in die „Mindener Zeitung“, der er seit Jahrzehnten die Treue bewahrte, und die ihm stets ein lieber Wegweiser durch die Geschehnisse in Zeit und Welt gewesen ist.
Von seinem Zimmer aus hat Herr Wiehe den Blick auf den gegenüberliegenden Jakobsberg. Unten am Hause klingelt die Straßenbahn vorbei, dahinter erhebt sich der Wittekindsberg, wo der Alte manchen Schritt zurückgelegt hat.Um ihn und in ihm ist Frieden. Sein Blick geht über die Dinge der Welt hinweg ins Ewige. Was sollen wir ihm wünschen zu seinem Geburtstage? Daß ihm der Glaube an den Gott über uns und die Heiterkeit des Herzens auch die nächsten zehn Jahre verschönere, daß wir ihm auch zu seinem 100. Geburtstag die Hand drücken können.
Einsatz und Verbundenheit
Geschworener am Landgericht Bielefeld ab 24.11.1908 für eine Periode ausgelost10)
Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde
1896- Standesbeamter