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Straßenbahn

Die Straßenbahn fuhr vom 01.09.1893 bis 29.12.1959 von Minden nach Barkhausen und zurück.


Straßenbahn Minden-Porta 1893

von Hermann Schmidt

Die Bewohner an der Chaussee in Barkhausen, Aulhausen und Porta protestierten zwar heftig gegen die Bahnanlage, indem sie geltend machten, dass sie in ihren landwirtschaftlichem Betriebe Störungen erleiden würden, namentlich verlangten sie die Verwendung von sogenannten Rillenschienen, indes wurden sämtliche Proteste zurückgewiesen und die Schienen auf die westliche Seite der Chaussee gelegt und der Betrieb am 1. September 1893 eröffnet. Die Bedenken wurden bald überwunden und die Bahn auch von den heftigsten Gegnern bald fleißig benützt. Das Fahrgeld für die einfache Fahrt betrug 20 Pfennig, für Hin-und Rückfahrt 3O Pfennig, Wochenkarte für Arbeiter 60 Pfennig, Monatskarten für 5 Mark, Jahreskarte 30 Mark, Jahreskarte für Schüler 20 Mark. Die Haltestellen der Bahn waren: Minden-Lindenstraße – Minden-Schwanenteich - Minden Wasserwerk - Zollern-Menke -Barkhausen-Endstation Porta. Bei Bedarf auch Lübbecker Straße. Die gewöhnlichen Wagen waren ziemlich lang, hatten an jedem Ende eine Plattform (nach den Seiten offen, für Raucher), Flügeltüren aufklappbar zum Ein-und Aussteigen. Besonders beliebt im Sommer die sogenannten „Sommertagen“ zu beiden Längsseiten nur Segeltuchvorhänge, lange Trittbretter, 3, am ganzen Wagen entlang. 1/3 der Wagenflache war ohne Bänke, für die Marktfrauen mit ihren Körben reserviert. Der Schaffner ging während der Fahrt auf den Trittbrettern am Wagen entlang. Die Schienen, auf Eisenschwellen liegend (alle 8 Meter etwa eine Abflussrinne zum Chausseegraben hin), lagen so hoch, dass sie nur an den Straßenübergängen mit Fahrzeugen zu überqueren waren (Die späteren Rillenschienen im Straßenpflaster waren wesentlich besser). Der Chronist ist 5 Jahre lang von 1913-1918 als Fahrschüler mit der Straßenbahn gefahren. Sein Elternhaus lag an der Chaussee. Die Fahrschule hatten morgens und mittags einen Wagen für sich, den „Schülerwagen“ von allen Bahngasten schon des Krachs wegen respektiert (notfalls halfen die Benutzer durch Stinkbomben nach). Im Fahrplan nahm man auf die Schüler weniger Rücksicht. Jeden Mittag mussten sie von 13 Uhr (Schulschluss) bis 13 Uhr 55 warten, so dass sie frühestens um 14 1/2. Uhr zu Haus waren. Anscheinend nahm der Fahrplan Rücksicht auf die „Bergvereinsler“, etwa 12 ältere Geschäftsleute von Minden, die täglich ihre Bergwanderung zur Wittekindsburg machten.

Die Lokomotiven der guten alten Pingelbahn waren doch recht wackelig, sie hatten - bis auf die „Porta“ - ja auch nur 2 Achsen, Führer, die Hand am Regulator, und der schmucklosere Heizer standen allen sichtbar, in dem nach allen Seiten offenen Führerstand. In der Dunkelheit sah die Lokomotive mit ihren beiden Laternen und dem offenen Achsenkasten darunter, aus dem die Glut heraus leuchtete, wie ein wahres Ungeheuer aus. Erstaunlich, dass die „Minden“, „Hausberge“, „Westfalen“ und so weiter meist 4 so lange Personenwagen auch die Steigung von Gasthaus Weber bis zur Kaiserstraße hinauf zog! Aber Wie! Mit Schwung und Gestöhne ging es bis zur Kirchstr, langsamer dann bis zur Steinstraße, dann stöhnend: „Ek kann nich mär! Ek kann nich mär!“ im Schritt-Tempo bis kurz vor der Höhe, dann aufatmend : „Ek schaffet nou! Ek schaffet nou!“


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