Dorffeste


Dorffeste in Barkhausen um die Jahrhundertwende, von Hermann Schmidt


„Tages Arbeit - Abends Gäste! Saure Wochen - frohe Feste!“ Nach diesem Zauberwort Goethes verfuhr man auch bei uns.

Kriegerfest

Das bedeutendste Dorffest jener Zeit war vielleicht das „ Kriegerfest“ Ausrichter war der schon erwähnte Kriegerverein (Verein der als Soldat Gedienten). Und das hatten ja die meisten jungen Leute. Die Untauglichen, die kein Soldat gewesen waren, waren als Tänzer, so sagte man, weniger gefragt. Das Kriegerfest ließen sich meine Eltern, Großeltern und alle andere „Ehemaligen“ nicht nehmen, obwohl es manchmal an Babysittern fehlte. Gastwirt Weber hatte den größten Saal und eine Bühne. Die Feste waren gut vorbereitet. Der unterhaltende Teil am Anfang brachte neben „Lebenden Bietern“, „Pyramiden“, lustigen Vorträgen (Vater Ney) Musikstücken vor allem ein längeres passendes Lustspiel auf der Bühne, bei dem sich manch „stilles Talent“ entfaltete und großen Applaus erntete. Anschließend wurde getanzt und gezecht bis in die frühen Morgenstunden hinein. Den Kehraus machte dann Heinrich Neuhaus „ein junger Mann“, der vorzüglich seine Handharmonika meisterte. Er begleitete die „Spätheimkehrer“ in der Frühe heimwärts. Einmal, so erzählte mir sein Sohn, sei der Vater anschließend dann zur Kirche gegangen und habe dort vorm Eingang noch gespielt, als der Pastor zum Gottesdienst erschien.

Erntefest und Kranzreiten

Die Bauern des Dorfes, ihre Knechte und Mägde, aber mit ihnen auch die Barkhauser feierten entweder das „Erntefest“ oder aber das „Kranzreiten-Fest“.
Pferde, schön geputzt und blumengeschmückt, Bauernsöhne und Knechte, ab auch einzelne „Amateure“, Bauerntöchter und Mägde und selbstverständlich als dazu gehörig die Bauern selber ,waren bei beiden Feiern dabei. Und das ganze übrige Dorf als Zuschauer, immer war auch eine deftige Blas-Kapelle dabei, auch ein oder zwei Leiterwagen mit Grün und bunten Bändern geschmückt fuhren im Festzuge hinter den stolzen Reitern her. Auf ihnen saßen „Knechte und Mägde“ oft in Tracht, die jubelnd und kreischend die bunte Erntekrone in die Luft stießen.
Beim Erntefest marschierte nun dieser Zug durchs Dorf zu einem abgeernteten Acker im Felde und verbrannten dort die „letzte Hocke“ begleitet von einem lustigen, derben Gespräch zwischen Knecht und Bauer ( in dem der Geiz des Bauern, angeprangert, der mengende Fleiß des Knechtes gerügt wurden, ! Den Abschluß bildete dann das Wettreiten der teilnehmenden Reiter 200 m lang über den Acker. Vor dem Gasthaus wurde danach die Erntekrone angebracht, der Sieger geehrt, selbstverfaßte Verse vom Herrn Oberst vorgetragen: Vierzeiler mit dem Abschluß: Musik!
Beim „Kranzreiten“ ging es ähnlich zu. Der Wettkampf bestand aber hier darin (wie beim Kranzstechen bei mittelalterlichen Turnieren), einen in einer Zwinge frei aufgehängten Laubkranz vom Pferd aus beim Unterdurchreiten herunterzureißen. Nach jedem Durchritt schieden die „Versager“ aus und für den nächsten Durchritt wurde der Kranz höher gezogen. Der mutige und geschickte Sieger holte zum Schluß als Einziger den Kranz herunter, indem er im Sattel stehend mit einer Hand den Kranz aus beträchtlicher Höhe erfaßte und ihn jubelnd in die Luft schleuderte.
Am Waldrande des Wiehen auf dem Wege nach Häverstädt fand dieses Kranzreiten auf einem geeigneten Wegstück statt. Ein echtes Erlebnis! Leider sind beide Feste nach und nach weggefallen: zuerst gab es keine Knechte und Mägde mehr oder nicht in genügender Zahl, dann keine Pferde mehr. Heute züchtet man eigens Reitpferde und veranstaltet Turniere.
Beide „Bauernfeste“ gingen bezeichnenderweise im Großen Umkreise zuerst in Barkhausen unter!